Ich war vor geraumer Zeit in München zur Wahl des Jugendwort des Jahres - eine Veranstaltung des Verlags Langenscheidt. Ich will hier jetzt nicht nocheinmal alles zu Protokoll geben - da gibt es wesentlich bessere Artikel:
siehe
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hier
und auch
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Mir geht es um den Konflikt, den plötzlich DAS neue Jugendwort des Jahres auslöst: "HARTZEN" (rummgammeln; sinnlos abhängen). Ich wurde heute schon per Mail persönlich für diese Wahl angegriffen, in Foren und Kommentarfelder wird heftig über die Unfähigkeit der Jury diskutiert und ich finde es weiterhin als äußerst gute Wahl... und das nicht nur, weil ich da nicht ganz unbeteiligt dran war.
Zu erst kommt immer der Vorwurf, dass es sich da um eine Verwechslung handelt und eigentlich "harzen", sprich "kiffen" gemeint ist - Nein, ist es nicht! Der Unterschied war der Jury und dem Einsender durchaus bewusst.
Zweiter Diskussions-Hauptschwerpunkt - "hartzen" sei nicht wirklich ein Jugendsprach(!)wort. Es mag stimmen, dass nicht in aller Jugend Munde ist, aber es ist definitiv im Sprachgebrauch von Jugendlichen - so oder in abgewandelter Form.
Bei der Wahl des Jugendwortes geht es in erster Linie nicht darum, dass am häufigsten benutzte Jugendwort zu finden - denn da würde man wohl jedes Jahr bei "cool"oder ähnlichen Vertretern landen. Es geht viel mehr darum ein von Jugendlichen geschöpftes, kreatives und beschreibendes Wort zu finden. Schließlich ist der Wettbewerb in erster Linie Werbung für den Verlag und in zweiter Linie Unterhaltung - und irgendwann am Ende steht dann auch beobachtende Gesichtspunkt.
Zum Wort an sich und warum es mir gefällt - "hartzen" war von Anfang das einzigste Verb und somit wesentlich flexibler einzusetzen, als etwa der Gewinner des letzten Jahres: "Gammelfleischparty". Hartzen kann man beugen, mit Vorsilben versehen und in mehreren Formen substantivieren. Dazu kommt die Sprachmelodie - es lässt sich wirklich natürlich sprechen. (Das kann durchaus an der nahen Verwandschaft zu "harzen" liegen). Des weiteren klingt es auch wirklich so hart, wie es kritisch gemeint ist - hartzen ist nichts positiven - das bemerkt man schon beim ersten Hören oder Sprechen. Der Zweck wird also wirklich voll und ganz erfüllt.
Sehr wichtig war natürlich auch der Punkt, dass das Siegerwort zum Nachdenken anregt und/oder provoziert... und das ist ganz eindeutig geglückt!